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Die Geschichte von Halloween

Die Wurzeln des Hexenkultes

veröffentlicht am Juni 19, 2009 von Martha Splatterhead | abgelegt unter Die Geschichte von Halloween

hexe_christentumHarry Potters Zauberwelt wimmelt nur so von ihnen! Bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sieht man sie! Und auch an Halloween sind sie überall präsent! Kein Zweifel: Hexen sind heutzutage wirklich wieder voll „in“!!! Aber eigentlich waren sie ja auch nie wirklich „out“ – und dass im Grunde bereits seit Tausenden von Jahren nicht!!! Was aber ist es, was die Menschen so sehr am Mythos Hexe fasziniert? Woher kommt die Vorstellung von der Frau mit den magischen Kräften überhaupt??? Und wie hat sich unser Hexenbild von heute eigentlich herausgebildet und entwickelt? Diesen Fragen wollen wir im Folgenden nachgehen! Begleiten Sie uns auf einen kleinen Streifzug durch die Geschichte von schwarzer und weißer Magie! Von antiken Mythen und germanisch-nordischen Zauberinnen, bis hin zu neuheidnischen Hexenkulten und Bibi Blocksberg in unserer Zeit!!!

Bereits in der antiken römisch-griechischen Kultur beflügelte die Vorstellung von Zauberfrauen die Phantasie der Menschen! Die Römer brachten sie mit der Göttin des Mondes und der Fruchtbarkeit Diana in Verbindung (bei den Griechen war es Artemis) und schrieben ihnen Heilkräfte zu, sowie bisweilen die Fähigkeit in die Zukunft schauen zu können. Daneben gab es allerdings auch schon die Vorstellung von der unheilvollen Magierin! Diese brachte als Kindesentführerin und Giftmischerin den Menschen Trauer und Leid! Aber auch bei unseren direkten Vorfahren – den alten Germanen – war der Hexenglauben bereits weit verbreitet! Praktisch jede kleine Siedlung hatte ihre Dorfhexe, die in Vollmondnächten Kräuter sammelte, als Geburtshelferin tätig war und für Kupplerdienste zu Rate gezogen wurde! Auch die Beherrschung der Elemente schrieb man diesen Frauen zu und glaubte sie könnten durch Wetterzauber für Trockenheit und Regenfälle sorgen!

Auffällig ist aber auch hier, dass diese Frauen einerseits hohe Wertschätzung erfuhren, ihr Status andererseits aber auch immer recht prekär war! Denn wenn bei der Geburt oder in Liebesdingen einmal etwas schief ging, oder wenn die Dürreperiode zu lange andauerte – dann war die Schuldige natürlich schnell gefunden! Die Hexen wandelten also schon damals stets auf einem ziemlich schmalen Grat… Die gute konnte rasch zur bösen Hexe erklärt werden!

Eine weitere Traditionslinie, die spätere Hexenbilder beeinflusste, speiste sich aus der Vorstellung der drei Nornen! Diesen drei Schicksalsfrauen aus der nordischen Mythologie sprach man die Fähigkeit zu, die Geschicke der Menschen und Götter vorherzubestimmen. Sie dienten übrigens noch William Shakespeare als Vorbild für die berühmten drei Hexen in seiner Tragödie Macbeth. Soweit also erst mal zum heidnischen Hexenglauben, auf den wir im Zusammenhang mit dem Hexen-Revival des 20. Jahrhunderts noch einmal kurz zurückkommen werden! Nun aber erst mal weiter ins Zeitalter der Christianisierung! Die Begegnung von Christentum und Hexenglauben veränderte diesen nämlich entscheidend und zählt zu einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte überhaupt…

Die Kirche

Die katholische Kirche hatte ja selbst den großen kulturellen Leistungen der antiken Hochkulturen jahrhundertelang kritisch gegenüber gegenstanden! Wie würde sie also erst auf heidnische Vorstellungen von dunkler Magie und schicksalslenkenden Hexenwesen reagieren? Zunächst tat sie das mit beinahe überraschend viel Nachsicht! Natürlich hatten die Kirchenväter für das ganze Hexenbrimborium nicht viel übrig! Da sie es jedoch letztlich für pure Einbildung hielten konnte das heidnische Brauchtum relativ ungestört im Verborgenen fortleben. Die strafende Macht der Kirche richtete sich in jener Zeit noch eher gegen die Häretiker, die den Menschen angeblich mit Irrlehren den Kopf verdrehten! Wegen ihnen wurde auch zunächst das „Sanctum Officium“ gegründet (1231/32), die Heilige Inquisition. Erst als keine Ketzer mehr übrig waren, wandte sie sich der Hexenverfolgung zu – dies aber nun mit vollem Eifer! Alten Vorwürfen gab man einen christlich-katholischen Anstrich: die magischen Rituale und Zusammenkünfte der Hexen wurden zur Teufelsanbetung erklärt.

Hexen schlossen angeblich einen Pakt mit dem Leibhaftigen und hatten sogar Geschlechtsverkehr mit ihm! Sie konnten sich in niedere Tiere verwandeln und mit Hilfe ihres Hexenbesen, auf Tieren, Dämonen oder Menschen, sogar fliegen! Und sie wirkten nicht mehr bloß in der Phantasie! Durch Schadenszauber vernichteten sie ganze Ernten und im Zuge einer groß angelegten Weltverschwörung planten sie den christlichen Glauben überhaupt abschaffen! Es ist hier sicherlich nicht der rechte Ort, um die entsetzlichen Auswirkungen des Hexenwahns in ihrer ganzen Abscheulichkeit zu behandeln! Einige kurze Anmerkungen mögen daher hier genügen. Die erste Frau fiel 1275 als Hexe den Flammen zum Opfer, die letzte starb im Jahre 1775. Dazwischen liegen fünfhundert Jahre, in denen die Inquisition ganz Europa in Angst und Schrecken versetzte. Zu trauriger Berühmtheit brachte es die 1492 veröffentlichte Hetzschrift Malleus Maleficarum (Hexenhammer). Sie systematisierte die Hexenverfolgung und beschrieb die im Verhör anzuwendenden Foltermethoden in all ihren unmenschlichen Details. Der Jesuitenpater Friedrich Spee kritisierte die Hexenprozesse (1631) und brachte sich damit in Lebensgefahr. Danach flaute die Verfolungswelle aber immerhin langsam ab. In älterer Literatur findet man häufig Opferzahlen die in die Hunderttausende oder gar in die Millionen gehen! Heute geht man jedoch von insgesamt „nur“ ca. 60 – 70.000 Opfern aus. Aber warum mussten diese Menschen denn nun eigentlich sterben? War die ohnehin unterdrückte Frau ein passender Sündenbock? Lag es an der Frauenfeindlichkeit des katholischen Klerus? An machtpolitischem Kalkül? An fehlgeleitetem religiösen Fanatismus? Eine Frage, die wohl letztlich unbeantwortet bleiben muss! Wahrscheinlich war es ein bisschen von allem, ganz sicher war wohl so ziemlich jeder Scheiterhaufen einer zu viel…



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