Neueste
Kommentare

Skull Bullet

Gruselgeschichten, Sonstiges von Angst bis Zombie, Spukorte und Mysteriöses

Grusel-Special: Horrormythen unserer Zeit Teil 3 von 3

veröffentlicht am Juni 1, 2015 von Irres Irrlicht | abgelegt unter Gruselgeschichten, Sonstiges von Angst bis Zombie, Spukorte und Mysteriöses

Der dritte Teil der Grusel-Special-Serie befasst sich mit einer der wohl bekanntesten Legenden überhaupt, dem kopflosen Reiter.

 

Die Legende vom Postmichel

 

Esslingen, 1491

Ein Mord in Esslingen! Das Opfer: Amandus Marchthaler. Der Täter: unbekannt.

Der aus reichem Hause stammende Amandus wurde ausgeraubt und für seine Reichtümer umgebracht.

Als der Botenreiter Michel Banhard Jahre später am ehemaligen Tatort einen Ring des Verstorbenen fand und diesen dem zuständigen Amt übergeben wollte, war sein Schicksal besiegelt. Bevor Banhard den Ring überhaupt aushändigen konnte, wurde das Schmuckstück an seinem Finger identifiziert, der junge Bote als vermeintlicher Mörder Amandus Marchthalers festgenommen, gefoltert und enthauptet.

Als letzten Wunsch gestattete man dem wandelnden Toten jedoch noch, auf seinem Botenpferd, einem weißen Schimmel, auf den Richtplatz zu reiten und ein letztes Mal in sein Posthorn zu blasen. Als der Scharfrichter zum Streich ansetzte und Banhards Kopf zu Boden fiel, berichteten alle Anwesenden einvernehmlich von seltsamem Hufgetrappel und dem Erschallen eines Posthorns. Jedoch war niemand zu sehen. Nur einen Tag später, zur Michaelsnacht, floh der Neffe des ermordeten Amandus Marchthaler aus Esslingen.

Augenzeugenberichten zufolge soll ein kopfloser Reiter auf einem weißen Schimmel das Anwesen der Marchthalers heimgesucht und Gerechtigkeit für die Toten eingefordert haben. Nach Jahren des Exils kehrte Amandus Marchthalers Neffe zurück nach Esslingen. Auch die Erscheinung des kopflosen Reiters erinnerte jedes Jahr zur Michaelsnacht an das geschehene Unrecht.

Kurz vor seinem Tod gestand Amandus‘ Neffe schließlich, seinen Onkel für Geld und Macht umgebracht zu haben.

 

 

Esslingen, 2015

Wie kaum eine andere Stadt Deutschlands hat Esslingen ihren Mythos vom kopflosen Reiter, die Sage vom Postmichel, kultiviert und tradiert. Neben dem Postmichelbrunnen erinnern regelmäßige Theaterstücke an die vermeintlichen Geschehnisse der St. Michaels-Nacht von 1491.

2009 wurde der Stoff verfilmt und ist neben Sleepy Hollow und weiteren Filmen ein cineastischer Beleg für den Einzug der Sage in die moderne Popkultur.

Gerade im europäischen Kulturraum ist die Legende vom kopflosen Reiter – oder Dullahan – weit verbreitet. In vielen Städten erzählt man sich von mysteriösen Erscheinungen. Richter, die unrechtmäßig urteilen, sollen vor dem Urteilsspruch von diesem berittenen Omen heimgesucht werden. In den meisten Fällen werden die Erscheinungen einem gefallen Soldaten, Kriegshelden oder, wie im Fall vom Postmichel aus Esslingen, einem unrechtmäßig Verurteilten zugesprochen.

So taucht der kopflose Reiter in den meisten Sagen immer dann auf, wenn große Ungerechtigkeit verübt wurde oder großes Unheil droht. Lediglich jene, die sich wirklich schuldig gemacht haben, sollten Angst vor dem kopflosen Reiter haben: Ihnen gilt die berittene Erscheinung als Zeichen des baldigen Todes.



Tags:
, , , , , , , , , , ,

Diesen Beitrag diskutieren

Zu diesem Beitrag wurden noch keine Kommentare verfasst. Warum schreibst Du nicht selbst einen? ;)

Beitrag kommentieren?