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Die Geschichte von Halloween, Erschreckende News, Gruselige Ausflugsziele, Mysteriöse Ereignisse, Sonstiges von Angst bis Zombie, Spukorte und Mysteriöses

Nasino, die Kannibalen-Insel

veröffentlicht am Mai 5, 2016 von Irres Irrlicht | abgelegt unter Die Geschichte von Halloween, Erschreckende News, Gruselige Ausflugsziele, Mysteriöse Ereignisse, Sonstiges von Angst bis Zombie, Spukorte und Mysteriöses

Mitten auf dem breiten sibirischen Fluss Ob liegt eine Insel, Nasino. Die Insel liegt etwa 500 Kilometer nördlich von Tomsk, wirkt idyllisch und ist zu einem Großteil mit Pappelwald bewachsen.
Doch im Jahr 1933 sah das ganz anders aus. Damals fuhr eine Gruppe Holzsammler an der Insel vorbei und konnte kaum glauben, was sie sah. „Am Ufer entlang sah man in Lappen gewickelte Stücke Fleisch„, berichtet Taissja, die damals 13 Jahre alt war und mit ihren Eltern an der Insel vorbeifuhr. Es waren, wie unschwer zu erkennen war, menschliche Gliedmaßen, die an den Bäumen und Sträuchern am Ufer hingen.

Taissjas Bericht von 1989 ist ein Teil des umfassenden Archivmaterials, das dem französischen Historiker Nicolas Werth eine Rekonstruktion der Geschehnisse auf der sibirischen Insel Nasino ermöglichte. Der Meinung des Historikers nach wurden damals fast 6000 vermeintliche Regimegegner auf Anweisung der Regierung dorthin deportiert und verspeisten sich offenbar gegenseitig.

Im Mai 1933 erhielt Dimitri Zepkow, Leiter der Kommandantur Alexandro-Wachowskaja, die Anweisung, sogenannte „schädliche Elemente aus Tomsk“ aus dem Verkehr zu ziehen. Es handelte sich dabei Angaben zur Folge um fünf- bis sechstausend Personen. Stalin hielt sie für Anti-Revolutionäre und veranlasste, sie zunächst in ein Übergangslager zu bringen. Anschließend sollten sie nach Nordsibirien in ein Arbeitslager verfrachtet werden, um dort das Land urbar zu machen. Bei den Häftlingen handelte es sich den historischen Nachforschungen nach überwiegend um Kleinkriminelle. Einige Bürger waren durch politisch kritische Äußerungen aufgefallen oder hatten ihren Pass während einer Straßendurchsuchung nicht vorweisen können.

Dimitri Zepkow war offenbar mit dieser Aufgabe überfordert und wusste nicht, wohin er so plötzlich eine derart große Anzahl an Menschen bringen sollte. Immerhin brauchten sie Unterkünfte, Nahrung und ärztliche Betreuung. Er beschloss, sie an einen der entlegensten Orte des Landes bringen zu lassen, die Flussinsel Nasino. In vier großen Kähnen wurden also 4556 Männer und 332 Frauen auf die Insel gebracht. 27 Menschen überlebten schon den harten Transport auf Güterschiffen nicht.
Mit den Deportierten wurden auf der Insel 20 Tonnen Mehl abgeladen, lose aufgeschüttet am Ufer. Da es jedoch sonst keine Nahrungsrationen gab, waren die Gefangenen gezwungen, das Mehl roh oder mit Wasser vermischt zu essen, woran einige von ihnen starben.

Dieser Umstand führte dazu, dass Wachen und ausgewählte Gefangene ein sehr primitives Wirtschafts- und Tauschsystem errichteten: Gegen ein Paar Schuhe verkauften die Aufseher gesalzene Fische, ein Mantel kostete zwei goldene Zahnkronen, die die Deportierten den Leichen aus dem Kiefer schlugen. Im folgenden Lagebericht vom 24. Mai 1933 verzeichneten die Mediziner 70 neue Leichen auf Insel, bei denen Organe oder Fleischstücke herausgerissen oder -geschnitten wurden. Gefangene berichteten von Fällen, in denen Gefangene Frauen die Brüste abschnitten, um diese aufzuessen.

Am 27. Mai wurden offenbar weitere tausend Menschen auf Nasino abgeladen, viele davon mit Typhus oder anderen Infektionen. Da die Menschen dennoch nicht aufhörten, das Fleisch ihrer Mitstreiter zu essen, infizierten sich auch die gesunden von ihnen schnell. Binnen zwei Wochen war die Insel fast leer. Am 12. Juni zählte Nasino nur noch 157 Deportierte. Insgesamt sollen nur 2856 Menschen überhaupt an ihrem Endziel in Sibirien angekommen sein, wo viele von ihnen an der Kälte starben.



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