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GET OUT – ab 04. Mai 2017 in den deutschen Kinos

veröffentlicht am April 12, 2017 von admin | abgelegt unter Halloween Buch- und Filmtipps, Halloween Interaktiv, Medien

GET OUT ist ein düsterer Thriller, der ernsthafte kulturelle Probleme wie Rassismus aufgreift. Innovativer Schocker mit Präzedenz-Charakter oder No-Go des Genres?

Get Out sollte eigentlich einen schweren Start haben. Bereits die Genre-Einordnung ist nämlich irritierend anstrengend: Ein Thriller mit Horror-Elementen, der Mystery-Stimmung verbreitet und satirische Momente nicht scheut. Grund könnte der Kopf dahinter sein: Drehbuch und Regie stammen von Jordan Peele, der eigentlich am ehesten als Comedian bekannt aber insgesamt noch als ziemlicher Frischling zu bezeichnen ist. Revolutiniert also ausgerechnet ein aufstrebender Komiker das Horror-Genre?

Im Trailer merkt man nichts von der Verschränkung. Der Film macht einen ziemlich unheimlichen und mysteriösen ersten Eindruck. Es scheint irgendwie darum zu gehen, wie die Familie einer jungen Frau (ohne deren Wissen oder Zutun) Menschen mit dunkler Hautfarbe hypnotisiert und ‚verschwinden‘ lässt:

Ziemlich irritierend. In solchen Fällen lohnt sich ein zweiter Blick. Zuerst der Pressetext:

„Ein Landhaus im Grünen, ein Wochenende bei den Schwiegereltern in spe, der Empfang ist herzlich – vielleicht eine Spur „zu herzlich“. Schnell muss Chris feststellen, dass mit der Familie seiner Freundin Rose etwas nicht stimmt.
Bizarre Zwischenfälle verwandeln den vermeintlich entspannten Antrittsbesuch unversehens in einen ausgewachsenen Alptraum für den Familien-Neuling.“

Und dann noch etwas über die überragenden Schauspieler (die keiner jenseits vom Trash TV kennt) und das Genie von Peele. Nicht gerade vielsagend. Also weitere Infos zur Handlung aus beliebten freien Enzyklopädien.

New York, der dunkelhäutige Fotograf Chris und seine hellhäutige Freundin Rose sind seit fünf Monaten ein Paar. Irgendwann will Rose ihren Freund den Eltern vorstellen, wozu sie raus aufs Land fahren, ins abgelegene Heimatdorf von Roses Familie. Die Eltern sind überschwänglich, der Vater klopft unangemessene Sprüche, die Mutter will ihn hypnotisieren, vornehmlich damit er zu rauchen aufhört; könnte ziemlich normal klingen, bezöge es sich nicht seltsamerweise auf Chris‘ Hautfarbe. Seine Freundin meint, er bilde sich das ein. Allerdings folgen weitere bizarre Gespräche, mit dem Hausmädchen und dem Gärtner, beide ebenfalls Afroamerikaner. Dunkelhäutige scheinen sich auf dem Anwesen der Schwiegereltern in spe einfach seltsam zu benehmen.
Bei einer Feier zu Ehren des verstorbenen Opas taucht unter den Gästen ein junger Mann auf, der eine ältere Dame begleitet und an den sich Chris von früher, aus seiner Hood als Andre zu erinnern meint. Er spricht ihn an, Andre erkennt ihn aber nicht. Mit der Ghettofaust zur Begrüßung kann er ebenfalls nichts anfangen. Chris versucht, den vermeintlich Bekannten zu fotografieren um das Bild einem Freund senden zu können, woraufhin Andre aus der Nase zu bluten beginnt und ausflippt. Völlig irritiert ruft Chris seinen Freund an, der ihm schnell berichtet, dass im Heimatdorf seiner Freundin immer wieder Dunkelhäutige verschwinden. Aufgrund der jüngsten Erlebnisse vermuten sie, dass Dunkelhäutige dort entführt und als Sexsklaven gehalten werden. Die Polizei glaubt ihnen nicht.
Einige Zeit später entdeckt Chris im Haus eine Kiste mit Fotos aus Roses Vergangenheit, woraufhin er erkennt, wie falsch seine Vermutungen sind – nur leider zu spät.

Ist schon etwas aufschlussreicher – zudem ist man plötzlich ziemlich neugierig auf die Auflösung. Den möglichen Ghetto-Bekannten und sein spontanes Nasenbluten hat man schon im Trailer gesehen. Wie seltsam sich die anderen Dunkelhäutigen aufführen, wird wunderbar deutlich im folgenden Featurette über den Gärtner Walter:

Was man bewundern muss: Get Out, der in den USA bereits Mitte Februar in die Kinos kam und dort zum echten Überraschungserfolg wurde, hat auf Rotten Tomatoes eine Kritiker-Wertung von 99%, was eigentlich beinahe unmöglich ist (die Publikumsbewertung liegt ebenfalls bei weit überdurchschnittlichen 89%). Die Meinungen zum Film überschlagen sich beinahe vor Begeisterung und bejahen allesamt die eingangs gestellte Frage, ob ein Horrorfilm, ganz gleich wie zersprengt seine genaue Genre-Einordnung ist, ernsthafte gesellschaftliche und kulturelle Probleme, wie nach wie vor bestehender Rassismus, Xenophobie oder Unterschiede zwischen Dunkelhäutigen und Weißen behandelt werden dürfen. O-Ton: Sie dürfen nicht nur, sie sollten sogar – wenn sie es schaffen, die Fragen und Probleme in ihrer ganzen Komplexität zu greifen.

Der Film startet am 04. Mai in den deutschen Kinos – wir sind gespannt: Nicht nur, ob Chris Ängste eingebildet oder real sind, welche Rolle die Hypnose wirklich spielt und ob und, falls ja, welche Figuren wann im Film sterben – was für einen Horrorfilm eigentlich nur angemessen wäre.
Unsere Empfehlung: Genießt die Snippets bis der Film endlich auch in Deuschland zu sehen ist – und überzeugt euch im Kino dann selbst davon, wie es ein Comedian geschafft hat, den Horrorfilm durch andere Genres befruchten zu lassen und einen überkomplexen Film zu schaffen, der ernsthafte Probleme behandeln und dabei (trotzdem) Angst machen kann!



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