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Finstere Rituale, Sonstiges von Angst bis Zombie

Kannibalismus-Fälle Teil 1 – Issei Sagawa: Mit dem Schönen eins werden

veröffentlicht am September 19, 2018 von Jacqui the Ripper | abgelegt unter Finstere Rituale, Sonstiges von Angst bis Zombie

Kannibalismus ist kein neues Phänomen. Dass Menschen ihre Artgenossen essen (das genaue Wort dafür heißt Anthropophagie), geschah bereits bei den Vorfahren der Neandertaler. Wenn Menschen Menschenfleisch essen, kommt uns das verständlicherweise zunächst abartig vor – wir denken vielleicht an den fiktiven Kannibalen Hannibal Lecter und Horrorfilmszenarien kommen uns ins Gedächtnis.

Doch so unterschiedlich wie die Kannibalen selbst sind, so vielfältig sind auch deren Motive: Kannibalismus kann beispielsweise aus religiösen, rituellen oder magischen Gründen geschehen. In aktuellen Fällen sind wir oftmals mit Kannibalismus als sexueller Fetischismus konfrontiert aber er kann auch – ganz simpel – zu Ernährungszwecken in einer extremen Nahrungsnot auftreten. In dieser Reihe möchten wir euch ein paar Beispiele für Kannibalismus durch die Geschichte hinweg vorstellen.

Den Anfang macht der Japaner Issei Sagawa, der in den 80er Jahren Schlagzeilen machte, als er während seines Studiums in Paris eine Niederländerin zunächst erschoss und dann ihre Leichenteile aß. Er verging sich an dem toten Körper und auf verschiedenste Weisen bereitete er schließlich die menschliche Mahlzeit zu.

Sagawa war zu diesem Zeitpunkt schon länger davon besessen, Menschenfleisch zu probieren. Am liebsten das einer weißen Europäerin. Sexuelle und geschmackliche Begierde schaukelten sich gegenseitig hoch – den Ausdruck “etwas zum Anbeißen zu finden” nahm er ganz wörtlich. Er wollte von der Schönheit probieren, sie sich einverleiben.

Doch das vorherige Töten war ein Punkt, der ihm bis dahin schwerfiel. Nach Jahren der Planung konnte er sein grauenhaftes Vorhaben aber schließlich umsetzen. Zwei Tage nach der Tat beobachtete ein älteres Ehepaar ihn dabei, wie er die übrigen Leichenteile des Opfers beseitigen wollte. Sagawa wird daraufhin verhaftet, Spuren seines Mahls werden in seiner Wohnung sichergestellt, er wird in eine Pariser Psychiatrie eingeliefert.

Damals wurde er als dauerhaft unzurechnungsfähig und somit schuldunfähig eingestuft und für einige Jahre in der Pariser Klinik untergebracht. Später schob man ihn nach Japan zur besseren therapeutischen Behandlung ab. Die Diagnose lautete dort: er sei vollkommen gesund, nach 15 Monaten konnte er das Krankenhaus als freier Mann verlassen. Vor Gericht landete er wegen der rechtlichen Lage nie.

Das Besondere ist, dass Issei Sagawa durch seine Tat zu einer Berühmtheit gelangte, die fast unvorstellbar ist: Journalisten bezahlten viel Geld, um über das Unaussprechliche mit ihm zu reden, sie bezahlten ihn, damit er Artikel für ihre Zeitung schreibt. Sagawa steht vor der Kamera, er dreht sogar einen Erotikfilm. Und er schreibt. Essays, Novellen, Kolumnen. Seine Eltern unterstützten ihn anfangs sogar finanziell. Selbst ein Lied über seine Tat existiert – von niemand Geringerem als den Rolling Stones: “Too much blood”.

Ein Außenseiter, ein Zwerg, ein Pornostar, ein Mörder, ein Monster. Eine zweifelhafte Berühmtheit? Entscheidet selbst.



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