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Finstere Rituale, Sonstiges von Angst bis Zombie

Kannibalismus-Fälle, Teil 2 – Das Wunder der Anden: Wenn Kannibalismus zur Überlebensstrategie wird

veröffentlicht am September 26, 2018 von Jacqui the Ripper | abgelegt unter Finstere Rituale, Sonstiges von Angst bis Zombie

Wir schreiben das Jahr 1972. Die uruguayische Rugby-Mannschaft “Old Christian’s Club” ist mit Spielern und Angehörigen auf dem Weg zu einem Freundschaftsspiel, das in Santiago de Chile stattfinden soll. Am 12. Oktober 1972 hebt die Fairchild F-27 in Montevideo in Uruguay ab, doch sie soll ihr Ziel in Chile nie erreichen…

Der erste unfreiwillige Zwischenstopp findet wegen schlechter Wetterverhältnisse in Mendoza in Argentinien statt. Nach einem Tag soll die Reise weiter nach Santiago de Chile gehen. Doch mitten in den Anden geschieht schließlich das Unglück: Die Piloten wähnen sich bereits auf chilenischer Seite, gehen in den Sinkflug und geraten in Turbulenzen. Orkanböen und Schneestürme setzen dem Flugzeug zu. Es kann nicht mehr nach oben gezogen werden und streift stattdessen mehrere Berggrate. Auf 3800m Höhe, mitten im Schnee, kommt der Rumpf des Flugzeugs schließlich zum Stillstand.

Von 45 Menschen im Flugzeug starben 12 durch den Absturz und 5 weitere in der ersten Nacht bei arktischen Temperaturen. Nach acht Tagen wurde die Suche nach der Mannschaft aufgegeben – die Überlebenschancen konnten einfach nicht besonders hoch sein aufgrund unpassender Kleidung, fehlender Nahrungsvorräte und aufgrund der vorherrschenden Witterungsbedingungen. Doch mehr als zwei Monate hielten es insgesamt 16 Menschen durch – unter anderem, indem sie Menschenfleisch aßen.

Es ist kaum vorzustellen: Man sitzt fest in einer Wüste aus Eis, verstorbene Freunde um einen herum, außer ein wenig Schokolade und Wein gibt es nichts zu essen. Dann plötzlich der Gedanke – um zu überleben, muss man essen. Und die einzige Nahrungsquelle: die Freunde, mit denen man vor wenigen Tagen noch gescherzt hat. Doch für die überlebenden Mitglieder des Rugby-Teams ist dies die einzige Möglichkeit, um eine Überlebenschance zu haben. Nach reiflicher Überlegung kratzt die Besatzung das Eis und den Schnee von den konservierten Leichen, die ersten Schnitte sind die schwersten. Manche weigern sich zu Beginn noch, das Menschenfleisch zu essen, doch nach kurzer Zeit müssen sie einsehen, dass dies die einzige Chance ist, um lebend aus der Tragödie zu kommen.

Nach 62 Tagen machten sich die drei Stärksten der Gruppe auf eine Expeditionstour, um Hilfe zu holen. Der erste Gipfel schien noch vielversprechend zu sein, doch wie auch die Piloten verschätzten sich die Spieler, denn statt grüner chilenischer Landschaft erstreckten sich weitere schneebedeckte Berge. Vinzintin, einer der drei Männer, wurde ins Lager zurückgeschickt, damit Parado und Canessa noch genügend Essensvorräte hätten für den weiteren Weg. Nach weiteren zehn Tagen anstrengenden Laufens ohne geeignete Rüstung gelang es Fernando Parado und Roberto Canessa, bis zur Schneegrenze zu wandern. Sie trafen dort einen Hirten, Sergio Catalan, der letztendlich für die langersehnte Rettung sorgte. Zwei Tage vor Weihnachten geschah so das “Wunder der Anden”, bei dem 16 von 45 Flugzeuginsassen überlebten. Nur einer von ihnen musste im Nachhinein medizinisch betreut werden. Das ist wohl unter anderem dem Zusammenhalt und der guten Planung der Spieler zu verdanken – sowie dem Essen von Menschenfleisch, um zu überleben.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass es sich bei Kannibalismus nicht nur um gruselige Situationen und Menschen handelt, die krank sind und andere töten, um deren Fleisch essen zu können. Wenn man vor der Wahl steht, sich in einer Extremsituation seinem Schicksal und dem Tod zu ergeben oder einen Strohhalm ergreifen zu können, der einen am Leben halten könnte, dann kann es zu solchen, aus unserer Sicht krassen, Entscheidungen kommen.

Einige der Leichen wurden übrigens aus Respekt vor den Angehörigen unberührt gelassen, darunter die Mutter und die Schwester Fernando Parrados. Die Leichname wurden einige Tage nach der Rettung 80m entfernt von der Absturzstelle unter Steinen begraben, das Flugzeugwrack wurde verbrannt. Noch heute wohnen die meisten Überlebenden im gleichen Stadtteil von Montevideo und manche von ihnen halten heute weltweit Vorträge über das Überleben in Extremsituationen.



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