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Finstere Rituale, Sonstiges von Angst bis Zombie

Kannibalismus-Fälle, Teil 8 – Franz Bratuscha und die verschwundene Tochter

veröffentlicht am November 7, 2018 von Jacqui the Ripper | abgelegt unter Finstere Rituale, Sonstiges von Angst bis Zombie

abgehackte LeichenhandMit diesem Fall, der sich in den Jahren 1900/1901 zutrug, neigt sich unsere kleine Kannibalismus-Reihe dem Ende zu. In den letzten Wochen haben wir gesehen, dass die Fälle von Kannibalismus so unterschiedlich sind wie die Menschen selbst: nicht jeder, der Menschen gegessen hat, ist ein kaltblütiger Mörder. Manch einer von ihnen wurde durch den Hunger zu seinen Taten getrieben; manchmal spielte Aberglaube eine Rolle; manche Kannibalen haben eine tiefe, psychische Krankheit. Wir haben gelernt, dass man die offensichtlichen Dinge, die man sieht, immer hinterfragen muss. Dass manchmal mehr dahintersteckt als reine Mordlust. Die Abgründe der Menschheit sind oftmals tief – wie auch in diesem letzten Fall.

Vermisste Tochter

Am 6. Mai 1900 wurde die 12-jährige Johanna Bratuscha das letzte Mal lebend gesehen. Schon zehn Tage zuvor wurde das Mädchen von Franz Bratuscha, ihrem Vater, als vermisst gemeldet. Erst ein Jahr später kam der Fall jedoch ins Rollen, denn da wurde Franz Bratuscha zu einem Behördentermin beim Gendarmerie-Wachtmeister vorgeladen.

Denn zur gleichen Zeit verschwand damals die Tochter einer anderen Frau – als Bratuscha damals das Mädchen beschrieben wurde und ihm die Kleidung gezeigt wurde, identifizierte er das Mädchen als seine Tochter. Ein Jahr später jedoch erreichte den Gendarmen ein Geständnis der Mutter des gefundenen Mädchens – diese habe ihre kranke Tochter ausgesetzt und erwürgt. Da das Kind nun der Dame zugeordnet werden konnte, musste Bratuscha vernommen werden; und dieser benahm sich so auffallend bei der Vernehmung, dass sein Haus durchsucht wurde. Kleidung der kleinen Johanna und Blutspuren wurden dabei gefunden.

Konsequenzen eines kleinen Streichs

Bratuscha legte schließlich sein Geständnis ab: Seinen Schilderungen zufolge zündete Johanna damals einen Kastanienbaum an. Dessen Feuer hätte fast das Haus einer anderen Frau in Brand gesetzt, weswegen diese Johanna mit Misshandlungen drohte. Das Kind flüchtete und wurde erst viele Tage später im Wald von ihrem Vater abgemagert, aber noch lebend, entdeckt. Sie war zu schwach zum Stehen und fiel auf den Boden. Ihr Vater umfasste so liegend ihren Hals und drückte zu – bis sie schließlich daran starb.
Dazu sei gesagt, dass Bratuscha als jähzorniger Mann bekannt war – auch seinem Sohn hat er einmal nach einer Lappalie einmal mit einem Stein das Gesicht zerschlagen.

Am Abend nahm er die Leiche seines Kindes mit nach Hause und fing an, die Leichenteile im Feuer zu verbrennen. Später gab Bratuscha noch zu Protokoll, dass die Familie für die nächsten Tage nur wenig zu Essen gehabt hätte – weshalb er schließlich das menschliche Fleisch zum Teil aß. Seine Frau will, abgesehen davon, dass sie vom Mord wusste, von dem Verspeisen nichts mitbekommen haben. Der Mann gab außerdem noch zu Protokoll, dass er sich bei der ganzen Prozedur an Bücher aus seiner Jugend über die Australier erinnerte, in denen geschildert wurde, wie “die Kinder der Wilden seitens ihrer Eltern behandelt werden”. Bei einer Hausdurchsuchung wurden tatsächlich solche Bücher gefunden – mit entsprechenden Rand-Anmerkungen über seine Tochter neben den Absätzen über diese Praktiken.

Glaubwürdig oder nicht?

Franz Bratuscha wurde daraufhin verurteilt. Später, im Jahr 1903, tauchte schließlich eine Diebin auf, die behauptete, die getötete Johanna Bratuscha zu sein. Da damals noch nicht per DNA-Test die Richtigkeit der Aussage nachgewiesen werden konnte, wurde Franz Bratuscha freigesprochen, obwohl er sich merkwürdig unemotional verhielt nach der Ansage, dass seine Tochter nun doch aufgetaucht sei. Auch seine Aussage auf die Frage, warum er dem Gericht nur wenige Jahre zuvor eine solche Lüge erzählt hatte: “Ich dachte mir, ‘Ein Mann, ein Wort’ und habe deshalb das vom Gendarmen mir abgepresste und damit einmal abgelegte Geständnis nicht zurückgenommen”, ließ niemanden stutzig werden.

Heutzutage muss man sich fragen: Waren die damaligen Richter tatsächlich von der Glaubwürdigkeit der Aussagen Bratuschas überzeugt? Oder war es schlicht zu unglaublich, dass ein Vater zu einer so grausamen Tat fähig war und seine Tochter umgebracht hat? Wie gesagt, die menschlichen Abgründe sind tief…



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