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Sonstiges von Angst bis Zombie, Spukorte und Mysteriöses

Hexen – Die unheimlichsten Kreaturen aus Legenden, Sagen und Fabeln, Teil 11

veröffentlicht am Mai 15, 2019 von Jacqui the Ripper | abgelegt unter Sonstiges von Angst bis Zombie, Spukorte und Mysteriöses

Die unheimlichsten Kreaturen

 

Sie tragen lange Kleider, werden oftmals mit krummer Hakennase dargestellt und reiten auf einem Besen durch die Gegend: Hexen begegnen uns auch heute alljährlich auf Halloweenfeiern und zur Walpurgisnacht.

Doch wie entstand eigentlich der Hexenglaube und was steckt hinter den Hexenverfolgungen, die im mittelalterlichen Europa überall stattfanden? Unsere Experten von der Gruselfabrik haben sich auf den Besen geschwungen, um euch schnell alle wichtigen Infos zusammenzutragen!

 

Namensherkunft und Eigenschaften

Hexe Portrait

Das Wort Hexe stammt von Mittelhochdeutschen hecse und hesse ab und dieses wiederum vom Althochdeutschen hagzissa bzw. hagazussa. Das Wort selbst ist eine Zusammensetzung aus dem mittelniederländischen Wort haghetisse und dem altenglischen Wort hægtesse. Die genaue Wortbedeutung ist jedoch nicht ganz klar. Das althochdeutsche hag bedeutet “Zaun, Hecke, Gehege”, während der zweite Wortteil aus dem Norwegischen stammen könnte, wobei tysja für “Elbin” steht. Auch eine Herkunft vom Wort tusul für “Gespenst” könnte möglich sein, ebenso wie Dänisch tøs und Schwedisch tös für “Mädchen”.

Manche Forscher glauben aber auch, dass hag nicht mit “Hecke” oder “Zaun”, sondern mit “Zaunlatte” zu übersetzen ist, auf der die Hexe ritt und die sich später in der Vorstellung der Menschen zum typischen Hexenbesen wandelte.

Der Flug auf dem Hexenbesen ist nur eine Eigenschaft der Hexenlehre der frühneuzeitlichen Hexentheoretiker. Das Treffen mit dem Teufel und anderen Hexen zum Hexensabbat gehörte ebenso dazu wie der Pakt und der Geschlechtsverkehr mit dem Teufel. Natürlich konnten Hexen auch zaubern: Der Schadenzauber gehörte untrennbar zu den Hexen.

Und eines Schadenzaubers bezichtigt zu werden, war denkbar einfach: Wenn Ernteerträge eines Bauern zurückgingen, wurden Hexen dafür verantwortlich gemacht. Wenn sich Frauen um die Heilung des Viehs bemühten, wurden sowohl das Heilen als auch der Misserfolg als Hexerei angesehen.

Meistens wurden die Frauen beschuldigt, denn die meisten wurden als von Grund auf schlecht angesehen und die wenigen guten waren den Verführungen des Teufels leichter ausgeliefert als Männer. Man glaubte außerdem, dass beim Hexensabbat Gott und die Kirche verhöhnt wurden. Daher war ein weiteres Hexenmerkmal der Abfall vom Glauben und die Zuwendung zum Teufel.

 

Entwicklung des Hexenglaubens

Der Hexenglaube verbreitete sich bereits vor dem Christentum und ist auch im afrikanischen Kulturkreis noch weitgehend verbreitet. In unterschiedlichen Kulturkreisen gab es jedoch auch verschiedene Bezeichnungen. So ist in Irland zum Beispiel von guten und bösen Feen die Reden, während es in Germanien die Elfen und die böse Hexe gab. Während Hexen menschlich waren, waren Feen und Elfen aber mythische Wesen.

Die stereotypische Darstellung von Hexen, also alte Frauen, die auf Besen fliegen und von einer schwarzen Katze oder einem Vogel begleitet werden, kommt höchstwahrscheinlich aus den deutschen Märchenbüchern und seinen Illustrationen, denn ähnliche Darstellungen finden sich im Rest Europas kaum.

Im Allgemeinen ist der Hexenglaube dem Heidentum angehaftet. Göttinnen wie der nordischen Freya oder der irischen Birgid wurden Hellseherei, Zauberei und Orakeldeutungen zugesprochen. Diese Göttinnen übertrugen ihre Fähigkeiten auf Priesterinnen. Hexen wird nachgesagt, dass sie Naturheilwissen besaßen und einer Priesterschaft angehörten. Im Christentum wurden diese heidnischen Lehren dämonisiert.

In der Antike gab es ebenso schon das Vorkommen von Schadenszauberinnen und solchen, die sich mit Kräuterkunde auskannten. In der griechischen Mythologie gibt es zum Beispiel Kirke und Medea, die beide magische Fähigkeiten besaßen, die sie für gute oder böse Zwecke nutzen. Die griechische Göttin Hekate war als Schirmherrin der magischen Künste bekannt.

 

Hexenverfolgung und Hexenprozesse

Die Hexenverfolgung fand hauptsächlich im mittelalterlichen Europa statt. Sie konzentrierte sich auf das Heilige Römische Reich, England, Schweiz, die Niederlande, Lothringen, Schottland und Polen. Auch in Salem (Amerika) und Finnland wurden Fälle dokumentiert.

Weiter oben wurde schon geschrieben, wie schnell man als Hexe verurteilt werden konnte: Ernteausfälle, Glaubensablehnung oder einfach die Anschuldigung eines Nachbarn nach einem Streit – und schon wurde man der Hexerei angeklagt. Ein Hexenprozess konnte schnell weitere Hexenprozesse nach sich ziehen, indem die Beschuldigte weitere Menschen denunzierte.

Das Verfahren bei Hexenprozessen war meist nach dem gleichen Muster aufgebaut. Nachdem jemand der Hexerei angeklagt wurde, folgte die Inhaftierung in Kellern oder Türmen (Gefängnisse gab es noch nicht). Die Angeklagten wurden vor einem Prozess entkleidet und rasiert, damit diese keine Zaubertränke verstecken konnten und sie gleichzeitig auf Hexenmale untersucht werden konnten.

Danach folgte das Verhör, das in drei Phasen stattfand. In der ersten Phase, der gütlichen Befragung, wurde mit detaillierten Fragen unter anderem auch nach Geschlechtsverkehr mit dem Teufel gefragt. Wenn es daraufhin kein Geständnis gab, folgte die zweite Phase, die Territion. Dabei wurden Folterwerkzeuge gezeigt und ihre Funktion erklärt. Dann folgte die Phase der peinlichen Befragung (wobei das Wort “peinlich” hier als “schmerzhaft” zu verstehen ist). Letztendlich war das nichts anderes als Folter. So versuchte man, an ein Geständnis der/des Beschuldigten zu kommen. Weiterhin fanden Hexenproben statt. Diese waren eigentlich verboten, wurden aber trotzdem durchgeführt, um Beschuldigte als Hexen zu entlarven. Zu den bekanntesten Hexenproben gehörten z.B. die Feuerprobe, die Wasserprobe, die Nadelprobe oder die Wiegeprobe. Dabei konnten sowohl ein Bestehen als auch das Nicht-Bestehen dieser Proben als ein Bündnis mit dem Teufel angesehen werden.

In jedem Fall musste es zum Geständnis kommen, denn niemand konnte nach damaliger Rechtssprechung ohne Geständnis verurteilt werden. Durch die Folter war die Wahrscheinlichkeit aber sehr hoch, ein Geständnis zu bekommen. Teil der Prozesse war auch die Befragung zu Mitschuldigen. Unter Folter kam es zu Massenanklagen und Kettenprozessen, da immer wieder neue Namen genannt wurden. Schließlich folgten Verurteilung und die Hinrichtung: Die Strafe war der Feuertod. Hexen wurden bei lebendigem Leib verbrannt, um die Seele zu reinigen. Manchmal wurden Hexen aber auch als Akt der Gnade vorher enthauptet, erdrosselt oder ihnen wurde ein Säckchen mit Schwarzpulver um den Hals gehängt.

 

Hexen in der Popkultur

Selbstverständlich haben auch Hexen ihren Weg in Literatur, Film und Folklore gefunden.

Hexen haben ihr stereotypisches Aussehen vor allem den Märchen zu verdanken. Und so begegnen wir der wohl berühmtesten Märchenhexe in Jacob und Wilhelm Grimms MärchenHänsel und Gretel”. Diese Hexe hat alles, was dazugehört: sie ist alt und runzlig, hat eine Hakennase, kann zaubern und droht Kindern, sie zu fressen.

In ShakespearesMacbeth”, GoethesFaust” und FontanesDie Brück’ am Tay” sind Hexen ebenso vertreten wie in Horrorfilmen, zum Beispiel in “Blair Witch Project”, “Halloweentown” oder “Horror Infernal”.

Außerdem ist eine positive Besetzung von Hexen in Serien und Filmen deutlich zu spüren. Bestes Beispiel dafür ist die Buch- und Filmreihe zu “Harry Potter”, “Die Nebel von Avalon” oder “Die Hexen von Eastwick”. In den Serien “Sabrina – total verhext!”, “Charmed” und “Merlin – die neuen Abenteuer” sind sowohl gute als auch böse Hexen zu finden. Kinderfilme und Kinderliteratur behandeln das Thema ebenso. “Eine lausige Hexe” handelt von der tollpatschigen Hexe Mildred Hoppelt und “Die Kleine Hexe”, das Kinderbuch von Ottfried Preußler, erschien auch als Film.

Heutzutage treffen wir “echte, unechte Hexen” vor allem noch zu Halloween oder zur Walpurgisnacht an. Denn schon seit vielen Jahren versammeln sich die Hexen meist rund um den Brocken im Harz auf den Hexentanzplätzen, um die Geister des Winters zu vertreiben und sich ein Tänzchen mit dem Teufel zu geben. Somit sind Hexen auch fester Bestandteil regionaler Folklore. Welche Bräuche und Rituale in der Walpurgisnacht stattfinden, erfährst du im verlinkten Artikel!

Du siehst schon, Hexen sind eine besonders interessante Spezies. Zum Glück gibt es schon lange keine Hexenverbrennungen mehr. Aber das Interesse an den mythischen Gestalten bleibt trotzdem bestehen! Was wären wir zu Halloween und zur Walpurgisnacht nur ohne diese magischen Geschöpfe?

 

Was findest du an Hexen besonders spannend? Hast du dich selbst schon als Hexe zu einer Kostümparty verkleidet? Verrate es uns in den Kommentaren!

 

Zu Teil 1: Das Ungeheuer von Loch Ness

Zu Teil 2: Bigfoot

Zu Teil 3: Dämonen

Zu Teil 4: Vampire

Zu Teil 5: Werwölfe

Zu Teil 6: Zombies

Zu Teil 7: Meerjungfrauen

Zu Teil 8: Wendigo

Zu Teil 9: Drachen

Zu Teil 10: Geister

Zu Teil 12: El Chupacabra

 



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